Die Saison 2019-2020

 

 

 

 

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Jede Spielart von Humor

Jede Spielart von Humor

 

Klassik

 

Wie präsentiert man zeitgenössische Musik lustvoll und packend? Die Geigenvirtuosin Patricia Kopatchinskaja zeigte es mit der Camerata Bern im Theater National.

 

«Es gibt nicht nur eine Vergangenheit in unserer Musik.» So sagt es Patricia Kopatchinskaja im Hinblick auf ihren Stellenantritt als künstlerische Leiterin der Camerata Bern, und sie fordert damit von Veranstaltern wie auch vom Publikum mehr Mut und Neugierde. Unter dem Titel «Mysteries of Humour» zeigt das Orchester ein Programm, das mit Witz und Ironie gespickt ist und Hörgewohnheiten aufs Korn nimmt.

 

Von der Bühne geschoben

Bereits zu Beginn beweist Kopatchinskaja nicht nur Humor, sondern auch Mut: Es sei ihr bis zuletzt nicht gelungen, «Feldmans Sixpenny Editions» des irischen Komponisten Gerald Barry zu verstehen. Mit entwaffnender Ehrlichkeit holt sie damit das Publikum auf ihre Seite. Man muss Barry offenbar nicht verstehen, um sich von seinen Anspielungen in die Irre führen zu lassen und über seinen schrägen Humor zu lachen. Bei Letzterem hilft das junge Ensemble gern komödiantisch nach - etwa als es den unentwegt spielenden Kirill Zvegintsov in «Home Thoughts» samt Flügel von der Bühne schiebt, um sich Ruhe zu verschaffen. Oder wenn der Bratschist Gareth Lubbe hin und wieder einnickt. Er darf dafür die Umbaupause nutzen, um in einem Sketch seine Obertongesangskünste zu präsentieren.

 

Mit Francisco Colls «4 Iberian Miniatures» für Violine und Orchester wird es danach aber ernsthafter. Sagenhaft, wie Kopatchinskaja als Solistin die Farbnuancen der vier Klangminiaturen herausarbeitet und zugleich das dirigentenlose Ensemble durch die enorm anspruchsvolle Partitur führt.

 

Spass mit dem Meister

Mozarts «Ein musikalischer Spass» für Streicher und zwei Hörner ist eine geistreiche Persiflage auf ebenso mangelhaft komponierte wie aufgeführte Sinfonien. Geschickt komponiert der Meister darin allerlei gängige Schwächen wie falsch transponierende Hörner oder eine schlecht intonierte Solokadenz. Dem aufmerksamen Zuhörer fallen zahlreiche Ungereimtheiten auf, die diesen «Spass» ausmachen. Schade, dass die Camerata das dem Publikum nicht zutraut und auch hier - nun masslos - komödiantisch nachhilft.

 

Mit Alfred Schnittkes «Moz-Art à la Haydn» folgt glücklicherweise ein berührendes Zwiegespräch der zwei Sologeigen Kopatchinskajas und Suyeon Kangs von tiefgründigerem Humor. Raffiniert spielt Schnittke mit der Vergangenheit der Musik und verflicht Ideen der zwei Altmeister mit seinen eigenen. Zuletzt kann das Energiebündel Kopatchinskaja in György Ligetis «Mysteries of the Macabre», einem Ausschnitt aus der Oper «Le grand macabre», der für singende Geigerin und Kammerorchester umgearbeitet wurde, nochmals glänzen. In jedem Ton merkt man ihr die Spielfreude an. Und so kommt hier alles zusammen: Humor und Ernst,Altes und Neues.

 

Radio SRF 2 überträgt einen Mitschnitt des Konzerts am 28. Februar um 20 Uhr.

Der Bund, 05.02.2019, Jan Theiler