Jenseits

Jenseits

Sonntag28. Juni 2020 17.00 Uhr Casino Bern Grosser Saal
Konzerteinführung 16.15 Uhr

Jenseits

Patricia Kopatchinskaja — Violine, Leitung und Solistin
Michael Hersch — Composer in Residence, Klavier

Henry Purcell (1659 - 1695)
Fantasia No. 8 (z.739) 

Henry Cowell (1897–1965)
Hymn (aus Hymn and Fuguing Tune No. 2)

Michael Hersch (*1971)
Violin Concerto

Henry Cowell
Hymn (aus Hymn and Fuguing Tune No. 10)

Henry Purcell
Fantasia No.12 (z.743)

Franz Schubert (1797 – 1828)
Symphonie Nr. 8 h-Moll, D 759 Unvollendete

 

Das 6. Abonnementskonzert der Saison wird von Composer in Residence Michael Hersch kuratiert. Der 48-jährige Komponist ist gemäss Financial Times of London «one of the most fertile musical minds to emerge in the U.S. over the past generation».
Authentische US-amerikanische und englische Musik im Dialog mit einem jenseitigen Werk des europäischen Repertoires: neben seinem eigenen, für Patricia Kopatchinskaja 2015 komponierten Violinkonzert stellt Michael Hersch Werke von Henry Cowell und Henry Purcell der unvollendeten Symphonie von Franz Schubert gegenüber.

In seinen Hymn and Fuguing Tunes bedient sich Henry Cowell der Tradition der amerikanischen Sakralmusik, obschon er von den Vorbildern abweicht. Einige Gesten und Klänge der protestantischen Hymnodie bleiben erhalten: schlichte Melodien und leuchtende Akkorde mit Emphase auf «offene» Harmonien.

Ob Gegen- oder Rückenwind, Michael Hersch folgt einem besonders beständigen inneren Kompass, der unnachgiebig in Richtung der verletzbarsten Winkel der menschlichen Erfahrungen zeigt. Sein imposantes und unermesslich physisches Violinkonzert war damals das letzte in einer Serie von Werken, die er als Antwort zum Tod eines Freundes schrieb. Wie zahlreiche seiner instrumentalen Werke wurde das Violinkonzert von Gedichten und bildender Kunst inspiriert; hier erscheinen Fragmente von zwei Gedichten von Thomas Hardy als Epigraph in der Partitur. Das Herzstück im dritten Satz ist ein Ort extremer Stille, in welchem herbe Beschwörungen die Zeitlosigkeit gregorianischer Choräle suggerieren.

Zu den zeitlosen Schätzen der europäischen Musik zählt Schuberts unvollendete Symphonie in h-Moll mit ihren melancholischen, bedrohlich wirkenden Themen, die vom Jenseits sprechen. So wie Schuberts kurzes Leben blieb auch sie ein Fragment.