Mysteries of Humour

Mysteries of Humour

Sonntag03. Februar 2019 17.00 Uhr Theater National Bern

16:15 Uhr Konzerteinführung

Mysteries of Humour

Patricia Kopatchinskaja — Violine, Leitung und Solistin
Programm kuratiert von Francisco Coll — Composer in Residence

Alfred Schnittke (1934 – 1998)
Moz-Art a la Haydn (1977) 

 

György Ligeti (1923 – 2006)
Mysteries of the Macabre  (Drei Arien aus der Oper «Le Grand Macabre» eingerichtet von Elgar Howarth und Patricia Kopatchinskaja

 

Francisco Coll (*1985)
4 Iberian Miniatures für Violine und Orchester 

 

Gerald Barry (*1952)
Feldman's Sixpenny Editions 

 

Louis Andriessen (*1939)
The nine symphonies of Beethoven for orchestra and ice cream bell 

 

Composer in Residence Francisco Coll hat unter anderem die Aufgabe, ein Konzertprogramm zu kuratieren, das auch ein eigenes Werk beinhaltet. Die sogenannte «ernste» Musik regt an zum Nachdenken über die menschliche Kondition. Dieses Ziel kann sie auch mit Humor erreichen. Francisco Coll hat Werke zusammengestellt, die mit skurrilen Klangeffekten, Zitaten und Referenzen an «grosse» oder «kleine» Werke anspielen und eine lustvolle Unterhaltung bieten.

Mit Moz-Art à la Haydn zeigt sich Alfred Schnittke von seiner ironischen Seite. Fragmente der ersten Violinstimme von Mozarts Faschingspantomime fügt er mit szenisch-schauspielerischen Elementen zu einer zeigemässen Collage zusammen.

Fasziniert vom Zusammenspiel von Mehrdeutigkeit, Humor, Ironie und Verfremdung komponierte György Ligeti seine Oper Le Grand Macabre über den Tod als eine skurrile komödiantische Figur im fiktiven Breughelland. In den drei Arien von Mysteries of the Macabre erleben Sie, wie sich der Konzert- in einen Theatersaal verwandelt.

In der Malerei ist eine Miniatur eine kleine Form, die oft nur als Illustration in einem Buch eingesetzt wird. Francisco Colls Four Iberian Miniatures weisen auch kleine Dimensionen auf, sind von sorgfältigster Faktur, illustrieren jedoch nichts per se. Sie sind nicht nach einer äusseren Wirklichkeit gerichtet, sondern begnügen sich mit ihrer eigenen klanglichen Efferveszenz. Diese paradoxalen Miniaturen fokussieren und vergrössern, erweitern und verdichten gleichzeitig die volkstümlichen Elemente, die ihnen als Inspiration dienen. Francisco Coll sucht die „offensichtliche“ Tradition der spanischen Musik und treibt sie durch das Sieb seiner aussergewöhnlichen ästhetischen Empfindung.

Im frühen 20. Jahrhundert gab es in London einen Musikladen namens Feldmans, der Popmusiksammlungen für den Hausgebrauch verkaufte. Einige Ausgaben wurden Feldman’s Sixpenny Editions genannt. Sammlungen wie diese führten Gerald Barry in seiner Kindheit zu ersten fieberhaften Erkundungen der Musik. Er verliebte sich in Stücke wie Martial Steps und The dog barks, the caravan passes on. Das letzte Stück in der Sammlung, The Innermost Secret, verweist auf die Mittagessen, die Erik Satie mit Claude Debussy einnahm. Satie berichtete, dass Debussy Schweinekoteletts «mit dem innersten Geheimnis» kochte.

Zeit ist kostbar, dachte sich Louis Andriessen und pickte sich aus Beethovens neun Symphonien prompt die Melodien heraus und arrangierte diese samt Boogie-Woogie und Europop-Elementen miteinander. Was Beethoven eventuell amüsiert hätte, trifft hier den Nerv der Zeit in seiner unterhaltsamsten Form.