Seufzen & Verlangen

Seufzen & Verlangen

Freitag21. Februar 2020 19.30 Uhr Casino Bern Grosser Saal
18.45 Uhr Konzerteinführung

Seufzen & Verlangen

Patricia Kopatchinskaja — Violine, Leitung und Solistin
Ah Young Hong — Sopran
Reto Bieri — Klarinette
Michael Hersch — Composer in Residence

Johann Sebastian Bach (1685–1850)
Seufzer, Tränen, Kummer, Notaus der Kantate Nr. 21 Ich hatte viel Bekümmernis BWV 21

Karl Amadeus Hartmann (1905–1963)
Fantasie – Adagio aus dem Kammerkonzert für Klarinette und Streicher

Michael Hersch (*1971)
Agatha
Auftragskomposition der CAMERATA BERN (Uraufführung) für Sopran, Violine, Klarinette und Ensemble

Johann Sebastian Bach
Liebster Jesu mein Verlangen
Aus der Kantate BWV 32

Orlando di Lasso (1532–1594) / Michael Hersch
Susanne un jour 
Transkribiert für Sopran und Streicher von Michael Hersch

György Ligeti (1923–2006)
Mesto, rigido e cerimoniale 
AusMusica Ricercata für Klavier

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Symphonie Nr. 40 in g-Moll KV 550

 

Ah Young Hong: Allein ihr Vorname verlangt ein Ausrufezeichen! Die amerikanische Sängerin zu erleben ist eine betörende Erfahrung, die einen lange nicht mehr loslässt. So ging es auch dem Musikkritiker der Chicago Tribune: «Seele-entblössende Intensität, absolut fesselnd». Ah Young Hong singt nicht nur, sie verkörpert die Musik und erreicht mit ihrem Wesen uner- forschte Regionen des Ausdrucks.

Ah Young Hong hat bereits Michael Herschs Monodram On the Threshold of Winter ihre Stimme und ihren Körper verliehen. Das Werk von grosser Originalität und aufwühlender Kraft besitzt einen verheerenden emotionalen Impact. Meisterlich schreibt Hersch modernistische Musik von unnachgiebiger Ernsthaftigkeit. Er zögert nie, in den Abgrund zu springen.

Das neue Werk, Agatha, das Michael Hersch als Composer in Residence der CAMERATA BERN für die Saison 2019/20 komponiert hat, ist ein Psychodrama für Sopran, Violine, Klarinette und Ensemble, und wurzelt in persönlichen Erfahrungen seines Schöpfers. «Ich wurde vor beinahe zwei Jahrzehnten zu diesem Thema gezogen, weil meine Frau mich in Rom zur Sant’Agata dei Goti Kirche mitnahm, die ihre Lieblingskirche auf der Welt ist, und die sie mit mir teilen wollte. Es ist ein schöner, stiller Raum. Zu meinem Entsetzen erzählt der Fries um die Decke in Bildern die schreckliche Geschichte von Agatha, die zweifelsohne in Widerspruch mit meinem Erlebnis des Ortes steht. Etwas ist bemerkenswert an dieser Juxtaposition.
Vor ein paar Jahren besuchte ich die Kirche noch einmal mit meiner Frau. Kurz nachher wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Sie hat überlebt, wurde jedoch im Laufe der Behandlungen schwer entstellt. Ironischerweise ist St. Agatha die Schutzheiige der Opfer von Brustkrebs. Deshalb habe ich dieses Thema gewählt.»

Die Sopranistin, Agatha, singt und spricht im ganzen Werk; die anderen Soloinstrumente handeln in «traditioneller» Manier. Im vierten Teil des Werks agiert die Geigerin als Erzählerin, während der Klarinettist die Rolle des römischen Präfekten Quintinianus einnimmt, der nach Agatha gierte, aber von ihr abgewiesen wurde. Letztlich unterwirft er Agatha unsäglichen Folterqualen wegen ihrer Ablehnung seiner Avancen. Sie stirbt kurz danach, bewahrt die Kraft ihres Glaubens aber bis zum Schluss.

Michael Herschs Agatha ist eingebettet in Arien von Bach und einer Adaptation des Lieds Susanne un jour von Orlando di Lasso, das die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die von zwei lüsternen Greisen belästigt wird, doch lieber sterben will, als ihre Keuschheit zu verlieren.

Mozarts Symphonie Nr. 40 fasst alles zusammen: Drama, Seufzer, Tränen, Kummer, Not und Trost. Sie ist somit Fundament des Programmes.