«Jetzt bin ich hier angekommen»

In der Diskussionsreihe «‹Bund› im Gespräch» zeigte die Weltklasse-Geigerin und neue Camerata-Leiterin Patricia Kopatchinskaja, dass sie auch eine geistreiche Causeurin ist.

 

 

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2015 | Johannes Brahms

2015 | Johannes Brahms

Violin Concerto in D Op. 77 | String Quintet No. 2 in G Op. 111 | Antje Weithaas Solo Violin & Leader

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So sympathisch wie Antje Weishaas‘ Lächeln am CD-Cover ist auch ihr Zugang zu Brahms‘ Violinkonzert. Ein Schlachtross des Geigenrepertoires, das demnach tatsächlich ziemich oft „geschlachtet“ wird. Zum reinen Virtuosen-Gestampfe verkommt, ohne dabei wirklich prickelnd virtuos oder brillant zu sein. Antje Weithaas setzt ihren mit den Violinkonzerten Ludwig van Beethovens und Alban Bergs begonnen Weg fort und sieht sich unprätentiös als verantwortungsvolle obligate Violine. Als erste im Bunde, Betonung auf letzterem. Das kommt dem symphonischem Charakter der Werke sehr zu gute. Ihr zur Seite die glänzend disponierte Camerata Bern.

Schon die Einleitung des Violinkonzertes verströmt grenzenloses Vertrauen unter den Musikern der Camerata Bern. Sie begleiten exzessiv, sie harmonieren und geben alles, um das Experiment gelingen zu lassen: Brahms` Violinkonzert mit kleiner Streicherbesetzung und vorgeschriebenen Bläsern in der geforderten dynamischen Balance zu halten. Ehrlich gesagt, ich käme gar nicht auf die Idee, dass Brahms es anders gemeint haben könnte. So herrlich transparent tritt sein kontrapunktisch, motivisches Denken zu Tage. Unbändige Musizierfreude, als säße Antje Weithaas samt Camerata Bern und Herrn Brahms nahe der ungarischen Grenze auf einen Tokajer.

Den umgekehrten Weg gehen die Musizierenden mit Brahms‘ op. 111. Sie spielen das Streichquintett Nr. 2 in G-Dur in einer Fassung für Streichorchester. Auch das überzeugt, wobei vor allem die beiden Celli Meisterhaftes vollbringen.

Diese CD ist der Paradefall dafür, dass die besonders wertvollen Dinge wiederholt oft sehr leise auf einen zukommen. Sie schreien nicht, sie bleiben höflich und diskret. Sie hallen jedoch sehr lange nach, so man sie rechtzeitig bemerkt. Zugegeben, es wäre mir fast passiert und ich hätte dieses Juwel überhört. Glück gehabt! Diese Aufnahmen aus dem Jahr 2014 erfrischen meine Brahms-Diskografie ziemlich nachhaltig.

Hier erhältlich

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