«Jetzt bin ich hier angekommen»

In der Diskussionsreihe «‹Bund› im Gespräch» zeigte die Weltklasse-Geigerin und neue Camerata-Leiterin Patricia Kopatchinskaja, dass sie auch eine geistreiche Causeurin ist.

 

 

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Abschied, aber nicht für immer

Bis auf den letzten Platz war das Auditorium des Zentrums Paul Klee am Sonntag besetzt. Mit Standing Ovations bedankte sich das Publikum am Schluss bei Antje Weithaas, der abtretenden künstlerischen Leiterin der Camerata Bern.

Einmal mehr machte der Abend deutlich, dass die Musikerin als Solistin wie auch als Ensembleleiterin ihre jeweiligen Aufgaben mit Vehemenz vertritt. Dabei pflegt Weithaas einen ausgesprochen kommunikativen Umgang als Prima inter Pares.

 

Künstlerisches Potenzial

Oft reicht allein die Körpersprache der Leaderin aus, um die Mitglieder der Camerata Bern zu vereinen. Und wenn Antje Weithaas, wie in der Violinsonate von Dmitri Schostakowitsch als Solistin agiert, dann kann sie sich auf die Stimmführerinnen und Stimmführer des Ensembles verlassen.

Das erlaubt der Violinistin, ihr gesamtes künstlerisches Potenzial abzurufen: Mit beseeltem, warmem Ton und grosser Ernsthaftigkeit gestaltete sie den abgeklärt elegischen Beginn, mit nie nachlassender Energie den sarkastischen Parforceritt des Mittelteils. Der Ton von Antje Weithaas blieb auch in den vertracktesten Solopassagen lupenrein.

Stimmig der Anschluss mit der Kammersinfonie Schostakowitschs. Zum einen, weil auch dieses Werk eine Bearbeitung ist, dessen breites Klang- und Energiespektrum das Ensemble weidlich auskostete.

Zum anderen kam dem Schlüsselwerk des Komponisten am Sonntag ausserdem besondere Bedeutung zu. Damit war Antje Weithaas 2009 als neue künstlerische Leiterin der Camerata Bern angetreten.

Ein passendes Werk für ein Ensemble also, das in seinem Selbstverständnis kammermusikalisch agiert, in seinem musikalischen Anspruch aber sinfonische Dimensionen anstrebt. Die 52-jährige Musikerin nutzte in den letzten neun Jahren diesen künstlerischen Spielraum, um ihn mit neuen Inhalten zu füllen.

Damit bescherte sie dem Berner Publikum einzigartige Konzerterlebnisse. Schuberts Unvollendete oder die Violinkonzerte von Beethoven und Brahms seien auf der einen Seite erwähnt, auf der anderen Seite Kammermusikwerke etwa von Beethoven, eingerichtet für Streichorchester.

 

Dynamisches Spektrum

Dass ein Streichensemble wie die Camerata Bern hierbei besonders gefordert ist, zeigte sich auch bei der abschliessenden Streichorchesterfassung von Ludwig van Beethovens «Grosser Fuge». Das Mehr an Klang ging bisweilen auf Kosten der Präzision.

Doch machten Antje Weithaas und das Ensemble abgesehen davon die Struktur des Werks deutlich hörbar. Ebenso loteten sie das breite dynamische Spektrum aus, das diese Fassung auszeichnet.

Der Abschied von Antje Weithaas ist aber kein endgültiger. «Ich freue mich darauf, in Zukunft als Gast mit der Camerata Bern spielen zu können», sagte die Künstlerin am Schluss des Konzerts. So wird die Erfolgsgeschichte, die an Höhepunkten so reich war, fortgeschrieben, wenn auch unter anderen Vorzeichen. (Berner Zeitung)

 

Berner Zeitung, 20. März 2018, Annelise Alder