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Plötzlich wird es mitten im Advent frühlingshaft.

Plötzlich wird es mitten im Advent frühlingshaft

Die Camerata Bern führte mit Bernvocal in der Französischen Kirche Bern «Natale a Parigi» auf.

Es muss nicht immer das «Weihnachtsoratorium» sein. Mit einem kreativen Programm bewies die Camerata Bern, dass sich eine vorweihnächtliche Stimmung auch abseits der ausgetretenen Musikpfade hervorrufen lässt.

Andächtig, bald aber auch festlich eröffnete das Concerto grosso «Fatto per la notte di natale» von Arcangelo Corelli den Konzertabend. Im sechssätzigen Werk, das im frühen 18. Jahrhundert zur Feier der Geburt Christi entstanden ist, wechselten die Musiker agil zwischen dem Tutti und kammermusikalischen Partien. Das Ensemble präsentierte sich von Beginn an als organischer, energiegeladener Klangkörper.

Besonders in den leisen Tönen bewiesen die Musizierenden ein feines Gespür für die akustischen Möglichkeiten der Französischen Kirche: Die hauchzarten Piani waren eine wahre Freude. Etwas herausgefordert wurde die Akustik hingegen in den schnelleren Sätzen, wo flinke Passagen durch den Hall des Kirchenraums einiges an Klarheit einbüssten.

Unbekanntes…

Prominent vertreten war im Konzertprogramm mit gleich drei Kompositionen Antonio Vivaldi, dessen Name kaum aus der barocken Musik wegzudenken ist. Sein wohl bekanntestes Werk – die Violinkonzerte nach den «Vier Jahreszeiten» – herauszugreifen, würde den künstlerischen Anspruch der Camerata Bern bei weitem verfehlen. Nahezu unbekannt hingegen ist der Lobgesang «Laudate pueri Dominum», den Vivaldi als liturgisches Abendgebet nach dem Psalm 113 geschrieben hat.

Der Solopartie nahm sich die 27-jährige Sopranistin Francesca Aspromonte an und trug ihre warme, ja barocke Stimme mühelos über den ausgerollten Klangteppich des Orchesters. Galant wirkten auch die musikalischen Zwiegespräche mit dem Violinisten und musikalischen Leiter Enrico Onofri.

…und Bekanntes

Ganz ohne Chor sollte das Konzert dann aber doch nicht auskommen. Mit der Motette des französischen Komponisten Michel Corrette hatte schliesslich Bernvocal seinen Auftritt. In vielfältiger Weise bekam das Publikum den Ausruf «Laudate Dominum» – «Lobet den Herrn» – im Werk für Orchester, Chor und Soli zu hören.

Wenn man beim ersten Einsatz des Chors seinen Ohren kurz misstraute, hatte dies nichts mit der sängerischen Leistung zu tun. Doch wie war das nochmal mit den «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi? Für seine Motette bediente sich Corrette des musikalischen Materials aus Vivaldis «Frühling». Und so mischte sich zu gesungenen Lobpreisungen plötzlich das vertraute, lebhafte Vogelgezwitscher à la Vivaldi in den Geigen der Camerata. Witzvoll und verspielt endete damit der Konzertabend. Festlichkeit und Heiterkeit schliessen sich eben nicht aus.

Berner Zeitung, 14.12.2018, Martina Hunziker